<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Lebenswert</title>
	<atom:link href="http://lebenswert.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://lebenswert.de</link>
	<description>Inspiration im Alltag seit 1999</description>
	<lastBuildDate>Wed, 12 Jan 2011 16:52:45 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.4</generator>
		<item>
		<title>Kein Fleisch ist auch keine Lösung</title>
		<link>http://lebenswert.de/kein-fleisch-ist-auch-keine-losung/</link>
		<comments>http://lebenswert.de/kein-fleisch-ist-auch-keine-losung/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 12 Jan 2011 16:52:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lebenswert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ernährung und Gesundheit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://lebenswert.de/?p=26</guid>
		<description><![CDATA[So, jetzt aber zu den ernsten Themen des Lebens. Ach, doch lieber nicht. Nein, mal was anderes. Wie viele von euch wissen, ernähre ich mich seit einigen Jahren mittlerweile vegetarisch. Dazu schrieb ich vor Jahren auch einmal einen Rundbrief, aber &#8230; <a href="http://lebenswert.de/kein-fleisch-ist-auch-keine-losung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So, jetzt aber zu den ernsten Themen des Lebens.</p>
<p>      Ach, doch lieber nicht.</p>
<p>      Nein, mal was anderes.<br />
      Wie viele von euch wissen, ernähre ich mich seit einigen<br />
      Jahren mittlerweile vegetarisch.</p>
<p>      Dazu schrieb ich vor Jahren auch einmal einen Rundbrief,<br />
      aber den finde ich jetzt einfach nicht mehr.<br />
      Hat den noch wer? Mir bitte zusenden.<br />
      Titel ist irgendwie &#8220;Warum Tom Vegetarier ist&#8221;.</p>
<p>      Argumente für ein Leben ohne Fleisch gibt es zahlreiche.<br />
      Argumente für den Fleischkonsum konnte ich bisher keine<br />
      entdecken.</p>
<p>      Ich hielt es also vor etlichen Jahren für schlichtweg<br />
      logisch, Fleisch komplett von der Speisekarte zu streichen.<br />
      Da meine Frau das genau so sieht, war die Umsetzung noch<br />
      einfacher.</p>
<p>      Das ganze lief nun über viele Jahre und in der Zwischenzeit<br />
      hat sich die Welt weiter gedreht.</p>
<p>      Vor einigen Monaten überkam mich dann eine gewisse<br />
      Lethargie. Das kam schleichend und ist sehr schwer zu<br />
      beschrieben. Irgendwie war alles gleich. Alles in Ordnung.<br />
      Ich hatte Verständnis für jeden und alles &#8211; es war das Ende<br />
      einer Meinung, das Ende von Konflikten.</p>
<p>      (Wenn jetzt Aussenstehende sagen: &#8220;Davon hab ich aber<br />
      nichts gemerkt&#8221; dann kann ich das gut glauben &#8211; ich habs<br />
      aber so empfunden)</p>
<p>      Ich weiss, in einigen spirituellen Kreisen ist so ein<br />
      Zustand gewünscht. Der Ausbruch aus der Dualität?<br />
      Wobei ich hier nicht zu dick auftragen will.</p>
<p>      Aber mir war nicht wohl dabei.<br />
      Dann spielte mir das Schicksal den Ball zu:<br />
      Ein Depp bedrängte mich mit Hilfe eines Anwalts, der auf<br />
      Abzocke spezialisiert ist.</p>
<p>      Die Streitsache war ein Kasperltheater, aber juristisch<br />
      durchaus verwertbar.<br />
      Tatsächlich hatte ich auf einer alten Homepage in den AGBs<br />
      Passagen, die im Laufe der letzten Jahre überholt waren<br />
      bzw. nicht mehr zulässig. Ich schrieb z.B., dass der<br />
      Gerichtsstand Wartenberg, mein Wohnort, sei. Das geht<br />
      mittlerweile nur, wenn man mit Kaufleuten zu tun hat, nicht<br />
      aber bei Geschäften mit Privatpersonen.</p>
<p>      Ja, so essentielle Dinge eben &#8211; die kein Mensch beachtet<br />
      und von dem keiner einen Nachteil hat. Aber ist Gesetz<br />
      eben.</p>
<p>      Also Gut, der Trottel hat das also ausgegraben und ich muss<br />
      bezahlen. Habe ich getan und darum gebeten, dass er beim<br />
      nächsten Mal, falls er was sehen würde, mir bitte eine<br />
      einfache Email schicken möge, dann können wir das ohne<br />
      Kosten und ohne Anwalt regeln.</p>
<p>      Keine Reaktion.</p>
<p>      Zwei Wochen später der nächste Schrieb vom Anwalt &#8211; wieder<br />
      eine unbedeutende Kleinigkeit, die nicht wirklich klar ist.<br />
      Also schalt ich wieder meinen Anwalt ein, der berät mich<br />
      kostenintensiv und wir stellen fest, das man über das Thema<br />
      trefflich streiten könnte.</p>
<p>      So stand ich also vor der Wahl:<br />
      Nachgeben oder kämpfen?</p>
<p>      Ich hatte bereits nachgegeben, aber weil sich da so gut<br />
      Geld mit verdienen lässt, wurde ich wieder angegangen und<br />
      würde ich also wieder nachgeben, könnte ich wohl damit<br />
      rechnen in zwei Wochen wieder einen Brief vom Anwalt in der<br />
      Post zu haben.</p>
<p>      Der Schwachsinn musste aufhören.<br />
      Einige Tage tat ich mir richtig leid.<br />
      Es war nun schon viele Jahre Ruhe in meinem Leben. Leben<br />
      und Leben lassen &#8211; so ging das nun schon längere Zeit und<br />
      alle waren gut bedient damit.</p>
<p>      Meine Gedanken kreisten um das Thema.<br />
      Ich sehe mich nie als Opfer &#8211; aber warum um alles in der<br />
      Welt passierte mir das jetzt? Wo ist der Sinn?</p>
<p>      Ich suchte mehrfach Kontakt zur Gegenseite &#8211; aber ans<br />
      Telefon ging keiner, Emails und Faxe kamen garantiert an,<br />
      wurden aber ignoriert.</p>
<p>      Ich wollte vernünftig sein. Logisch. Erwachsen. Reif.</p>
<p>      Was will mich das Schicksal lehren?<br />
      Sollte ich geduldiger sein? Dem Agressor mit Liebe<br />
      begegnen? In mir ruhen und lächeln?</p>
<p>      Dann kam der dritte Brief.<br />
      Man wollte noch mehr Geld und ich würde meinen Anwalt<br />
      wieder fragen müssen, wie der Sachverhalt eigentlich zu<br />
      beurteilen sei, denn &#8220;Recht und Gesetz&#8221; hat oftmals<br />
      erstaunlich wenig mit dem echten Leben zu tun, so dass man<br />
      als Laie gar nicht ermessen kann, ob die gemachten Vorwürfe<br />
      überhaupt ansatzweise Sinn machen.</p>
<p>      Das reichte.<br />
      Jetzt war schluss mit Friede.<br />
      Schluss mit &#8220;normal miteinander reden&#8221;, Schluss mit sich<br />
      vernünftig zu verhalten und logisch vorzugehen.<br />
      Jesus hält bekanntlich auch die andere Backe hin und Jesus<br />
      hats echt drauf. Aber bin ich Jesus?<br />
      NEIN!</p>
<p>      Wenn dieser Schmarotzer auf normales Reden nicht reagiert,<br />
      dann ist es Zeit, eine universelle Sprache zu sprechen:<br />
      Es ist Zeit, ein paar Arschtritte zu verteilen.</p>
<p>      Mein erster Weg führte mich zum Biobauern meines<br />
      Vertrauens. Hier haben wir die letzten Jahre immer Käse<br />
      gekauft.<br />
      Ich holte mir ein ein riesiges Stück feinstes Rinderfilet<br />
      und knallte es meiner vegetarischen Frau auf den Tisch.<br />
      &#8220;Mach Essen, Frau!&#8221;</p>
<p>      &#8220;Ach, du isst jetzt Fleisch?&#8221;<br />
      &#8220;Jaaa!&#8221;<br />
      &#8220;Warum?&#8221;<br />
      &#8220;Muss jemandem in den Arsch treten &#8211; benötige<br />
      Agressivität!&#8221;<br />
      &#8220;Das find ich gut.&#8221;</p>
<p>      Und sie machte mir ein gigantisches Stück Fleisch in der<br />
      Pfanne mit etwas Öl, Salz, Kräutern und nichts.<br />
      Auf Beilagen verzichtete ich.</p>
<p>      Am nächsten Tag stand ich wieder beim Biobauern und kaufte<br />
      ein, aber keinen Käse.</p>
<p>      Gleichzeitig sagte ich meinem Anwalt Bescheid, dass wir den<br />
      Schmarotzer jetzt angehen. Erstens streiten wir vor<br />
      Gericht. Zweitens fand ich auf seinen Seiten ebenfalls<br />
      winzige Kleinigkeiten, die zwar keinen interessieren, aber<br />
      eben nicht zu 100% den aktuellen Gesetzen entsprechen.<br />
      Post von meinem Anwalt und eine dicke Rechnung war am<br />
      selben Tag noch unterwegs.</p>
<p>      Da waren wir schon mitten im Kindergarten.</p>
<p>      Und siehe da: Schon erhielt ich die erste Email. Endlich<br />
      konnten wir beginnen, direkt miteinander zu sprechen und<br />
      diesen Wahnsinn vielleicht endlich stoppen.</p>
<p>      Leider entwickelte sich noch kein Gespräch &#8211; meine Emails<br />
      blieben weiterhin unbeantwortet.</p>
<p>      Denn noch war der Gegner in einer stärkeren Position:<br />
      Mein Anwalt verlangte kräftig Gebühren (von mir!),<br />
      wohingegen sein Anwalt aufgrund einer wenig legalen<br />
      Konstruktion kostenlos arbeitet.</p>
<p>      Ein Hirschragout später konnte ich auch das lösen, indem<br />
      ich den werten Herrn ganz unjuristisch im übertragenen Sinn<br />
      an den Eiern packte. Autsch.</p>
<p>      Sofort erhielt ich eine Email, man möge sich doch ein wenig<br />
      unterhalten, hier sei seine private Handynummer, lassen sie<br />
      uns doch telefonieren.</p>
<p>      Beim Gespräch stellte sich dann heraus, dass ja alles wohl<br />
      nur ein grosses Missverständnis war (aha&#8230;) und huch, so<br />
      habe er es ja nicht gemeint und was sein Anwalt da genau<br />
      macht, weiss er ja gar nicht und vielleicht könnten wir in<br />
      Zukunft ja zusammenarbeiten und eine riesige Kooperation<br />
      machen und und und.</p>
<p>      Seitdem ist Ruhe.<br />
      Nicht dass wir uns jetzt mögen würden &#8211; aber es herrscht<br />
      Waffenstillstand. Es gibt da draussen genug arme Schweine,<br />
      die sich nicht wehren können, daher besteht kein Grund<br />
      mehr, mich anzugehen.</p>
<p>      Mein Fleischkonsum hat sich auch normalisiert.<br />
      Ich esse ausschliesslich Pflanzenfresser (auf keinen Fall<br />
      Schwein! Die Juden und Moslems dieser Welt werden schon<br />
      ihre Gründe haben.) und nur von Quellen, die ich persönlich<br />
      kenne.<br />
      Die Menge ist auch sehr bescheiden mittlerweile &#8211; die<br />
      Wochen der grossen Steaks waren schnell wieder vorbei.</p>
<p>      Meiner Erfahrung nach macht Fleisch also wirklich agressiv.</p>
<p>      Es gibt weiterhin sehr viele und sehr gute Gründe, sich<br />
      fleischlos zu ernähren. Und es gibt objektiv keine Gründe,<br />
      es nicht zu tun.<br />
      Aber das Leben ist einfach mehr als das, was man in Worten<br />
      beschreiben kann.</p>
<p>      Was lernen wir also daraus?</p>
<p>      Kein Fleisch ist auch keine Lösung?<br />
      Quatsch.</p>
<p>      Der Anwalt gewinnt immer?<br />
      Ja, schon eher.</p>
<p>      Also meine persönliche Lehre war, dass das Leben ein Fluss<br />
      ist und es heute so aussieht und morgen anders.<br />
      &#8220;Richtig&#8221; ist &#8220;richtig nur für mich und nur jetzt&#8221;<br />
      Für andere und/oder zu einem anderen Zeitpunkt sieht das<br />
      ganz anders aus.</p>
<p>      Und nur weil die andere Backe hinhalten prinzipiell eine<br />
      gute und richtige Sache ist und es in den meisten Fällen<br />
      souverän und toll ist, seine Feinde mit Liebe zu bedenken,<br />
      so ist doch für manche Menschen in manchen Situationen<br />
      einfach besser mit Dreck zu werfen.</p>
<p>      Im Leben geht alles ineinander über. Es gibt gewalttätige<br />
      Veganer und liebevolle Fleischfresser. Der Kampf kann eine<br />
      hochspirituelle Sache sein und der Frieden ein dumpfer<br />
      Mist, bei dem alle verlieren. Wer verliert, kann gewinnen<br />
      und manchmal sieht der Gewinner ziemlich alt aus.</p>
<p>      Ich verabschiede mich mit dem Jahr 2009 auch aus den<br />
      Sichtweisen für &#8220;richtig&#8221; und &#8220;falsch&#8221;.</p>
<p>      Führt mich 1kg Rinderfilet am Ende noch aus der Dualität?<br />
      Jesus, was meinst du?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://lebenswert.de/kein-fleisch-ist-auch-keine-losung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5164</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wissenschaft, Fabelwesen und der Grosse Knall</title>
		<link>http://lebenswert.de/wissenschaft-fabelwesen-und-der-grosse-knall/</link>
		<comments>http://lebenswert.de/wissenschaft-fabelwesen-und-der-grosse-knall/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 12 Jan 2011 16:48:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lebenswert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken zur Weltherrschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://lebenswert.de/?p=22</guid>
		<description><![CDATA[Liebe Leser, ups. Meine letzte Nachricht ist tatsächlich bereits ein volles Jahr her. Nichtsdestotrotz ist der Lebenswert-Rundbrief zum Jahreswechsel bereits seit 1999 derart feste Tradition, dass er auch 2010 nicht fehlt. Apropos Weihnachten &#8211; Szenen einer Ehe: Ort: Wohnzimmer. Kinder &#8230; <a href="http://lebenswert.de/wissenschaft-fabelwesen-und-der-grosse-knall/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser,</p>
<p>     ups.<br />
     Meine letzte Nachricht ist tatsächlich bereits ein volles<br />
     Jahr her. Nichtsdestotrotz ist der Lebenswert-Rundbrief zum<br />
     Jahreswechsel bereits seit 1999 derart feste Tradition, dass<br />
     er auch 2010 nicht fehlt.</p>
<p>     Apropos Weihnachten &#8211; Szenen einer Ehe:<br />
     Ort: Wohnzimmer.<br />
     Kinder spielen.<br />
     Frau sitzt auf Sessel und starrt ins Leere.<br />
     Mann verdaut, liegend auf der Couch.<br />
     Sie: &#8220;Im nächsten Leben werde ich Tinkerbell.&#8221;<br />
     Er: &#8220;Die Fee?&#8221;<br />
     Sie: &#8220;Ja. Was dagegen?!&#8221;<br />
     Stille.</p>
<p>     Noch etwas Organisatorisches:<br />
     Emails habe ich schon seit einem Jahr nicht mehr abgerufen.<br />
     Tut mir leid.<br />
     Ich gehe hiermit also in die Email-Insolvenz. Will sagen:<br />
     Ich lösche all die hunderten und tausenden Emails ungelesen<br />
     und fange neu an.<br />
     Wer mir schreibt, den lese ich auch wieder!</p>
<p>     Und falls die Frage aufkommen sollte: Der Grund, warum es<br />
     2010 keinen Rundbrief gab ist der, dass ich nichts weiss.<br />
     Früher war das einfacher &#8211; da war ich derart klug, dass ich<br />
     bekanntlich immer Recht hatte und vieles an Weisheit von mir<br />
     geben musste, auf dass die Welt daran genese.</p>
<p>     Aber mit dem Alter kam auch die Einsicht, dass ich<br />
     prinzipiell keine Ahnung habe.<br />
     Schreiben kann man viel.<br />
     Vielleicht lebe ich jetzt auch diese Dinge einfach mehr und<br />
     muss weniger darüber reden.</p>
<p>     Naja, wir werden sehen, was 2011 in dieser Sache bringt.<br />
     Vielleicht ist die Welt jetzt bereit für mich, höhöhö.</p>
<p>     Was uns direkt zum Thema führt:<br />
     Wie die Dinge sind.</p>
<p>     Es trug sich einst zu, dass ich vor vielen vielen (und es<br />
     sind mehr als ich dachte) Jahren einmal die Klasse 12 am<br />
     örtlichen Gymnasium besuchte auf dem Weg zum Abitur.</p>
<p>     Ab Klasse 12 wählte man sich schickfein &#8220;Kurse&#8221;. Dabei waren<br />
     zwei Hauptfächer zu besetzen, die Leistungskurse.<br />
     Da mein Gymnasium nicht unbedingt in &#8220;The City&#8221; lag, war<br />
     jedoch nicht jede Kombination machbar. Ich wollte eigentlich<br />
     Mathe und Englisch nehmen.<br />
     Aber weil das sehr viele wollten (Zahlen kannten die meisten<br />
     fast alle auswendig und Englisch hatte man schonmal gehört),<br />
     waren die Kurse hoffnungslos überfüllt.</p>
<p>     Ich bin kein Freund von Massenveranstaltungen.<br />
     So kam es, dass der Leistungskurs Physik noch händeringend<br />
     nach einem Teilnehmer suchte. Denn wo in einem Kurs zu viel<br />
     Leute sitzen, waren im anderen zu wenig. Und wenn zu wenig<br />
     teilnehmen, dann kommt der Kurs nicht zustande.</p>
<p>     So ziemlich am letztmöglichen Tag (wenn meine Erinnerung<br />
     mich nicht trügen sollte) wechselte ich also per Handschlag<br />
     von Englisch nach Physik.</p>
<p>     Da waren wir also, eine handvoll männlicher Helden im<br />
     kleinen Kreis. Und ich sollte lernen über Physik.</p>
<p>     Aber man höre und staune &#8211; ich lernte sogar fürs Leben.</p>
<p>     Und davon handelt die heutige Email.</p>
<p>     Es fing ganz harmlos an, wie jeder Physikunterricht.<br />
     Es gibt ja bekanntlich &#8220;physikalische Gesetze&#8221;.<br />
     Das sind Dinge, die einfach so sind.<br />
     Grund: Weil die so sind.</p>
<p>     Dafür gibt es mehr oder weniger komplexe Formeln, um diese<br />
     Umstände möglichst genau zu berechnen.</p>
<p>     Wir rechneten also, experimentierten ein wenig, rechneten<br />
     mehr, lernten Formeln und warum Dinge so sind wie sie sind,<br />
     weil sie eben so sind.<br />
     (Ja, es dreht sich im Kreis, richtig erkannt.)</p>
<p>     Doch schon nach wenigen Monaten stiegen wir tiefer und<br />
     tiefer in das Feld der Physik hinab und verliessen die Wege,<br />
     die die anderen Schüler (und fast alle &#8220;normalen&#8221; Menschen)<br />
     bis ans Ende ihrer seligen Tage für die einzigen Wege<br />
     halten.</p>
<p>     Nun lernten wir nicht nur Formeln und Gesetze &#8211; sondern der<br />
     Lehrplan sah auch vor, dass wir die Entstehungsgeschichte<br />
     dieser Dinge hinterblicken sollten.<br />
     Dank der wenigen Teilnehmer bei dieser Veranstaltung kamen<br />
     wir schnell voran.</p>
<p>     Und ich sah: Physik läuft in etwa so:<br />
     Irgendwer stellt irgendwann irgendetwas fest.<br />
     Die berühmteste Geschichte ist wohl der Physiker Newton, dem<br />
     beim täglichen Pennen unterm Baum ein Apfel auf den Kopf<br />
     fiel.</p>
<p>     Statt einem üblen Kobold die Schuld zu geben (was völlig<br />
     legitim wäre, siehe unten), entschloss er sich, dass es ja<br />
     ein Gesetz sein müsse, das den Apfel gen Erde und auf seinen<br />
     Schädel brachte.</p>
<p>     So wurde die Schwerkraft geboren.<br />
     Newton warf also geschätzte tausend Äpfel, stoppte Fallhöhen<br />
     und Zeiten, maß Aufprallenergien und packte alles in eine<br />
     Formel.</p>
<p>     Und fertig war das Gesetz der Schwerkraft mit einer Formel,<br />
     die bis heute verwendet wird, weil Äpfel auch noch heute so<br />
     fallen wie vor hunderten von Jahren.</p>
<p>     Aber das &#8220;Gesetz&#8221; war gar keines. Es ist nie eines.<br />
     Denn zu späteren Zeiten wollten andere es genauer wissen.<br />
     Und je genauer sie hinsahen, desto klarer wurde:<br />
     Newtons &#8220;Formel&#8221; funktionierte nur grob.<br />
     Wenn es plötzlich um Milliardstel von Sekunden geht, müssen<br />
     noch andere Aspekte mit einberechnet werden.<br />
     So brachten spätere Physiker also &#8220;genauere Formeln&#8221; auf.</p>
<p>     Diese funktionierten so lange&#8230; bis sie nicht mehr<br />
     funktionierten.<br />
     Und wenn etwas nicht nach Formel funktioniert, dann tut man<br />
     als Physiker was? Man bastelt eine neue Formel, die mit den<br />
     Testergebnissen übereinstimmt. Tut sie das, ist eine neue<br />
     Formel geboren und wir haben ein neues &#8220;Gesetz&#8221;.</p>
<p>     Alternativ kann man auch unsichtbare, unmessbare Fabelwesen<br />
     erfinden, die die unerwarteten Ergebnisse durch die<br />
     (natürlich absolut heilige und korrekte) Formel erklären.</p>
<p>     Und nein: Ich scherze nicht.</p>
<p>     Physiker beobachten nur was passiert und pressen das ganze<br />
     dann in eine Formel.<br />
     Und irgendwann passiert einmal etwas, das es eigentlich<br />
     nicht geben dürfte &#8211; dann wird die Formel eben geändert oder<br />
     ein unsichtbares Fabelwesen erfunden, das damit auch noch<br />
     gleich bewiesen ist.</p>
<p>     Auf diese Geschichte stiess ich wieder, als ich mit meinen<br />
     Kindern eine &#8220;Was ist Was&#8221;-CD anhörte, wo Wissenschaft<br />
     kindgerecht(?) erklärt wird. Thema: Astronomie.</p>
<p>     Der Erzähler erklärte hier die so genannten &#8220;schwarzen<br />
     Löcher&#8221;.<br />
     Fazit: Die Astronomen beobachten also den Himmel und packen<br />
     alles in Formeln. Und irgendwann beobachten sie wieder etwas<br />
     &#8211; aber das passt nicht zu den Formeln.<br />
     Was tun?</p>
<p>     Wie wir wissen:<br />
     Entweder Formel ändern oder Fabelwesen erfinden.</p>
<p>     Da die Formel zu ändern wohl zu kompliziert war, änderte man<br />
     einfach das Universum. Da, wo man nichts sah, musste aber<br />
     doch was sein. Also einigte man sich darauf, dass das, was<br />
     da sein musste, Eigenschaften haben musste, die es<br />
     eigentlich so nicht gab und die für Menschen auch nicht<br />
     vorstellbar (wohl aber berechenbar) sind.<br />
     Diese Dinger wurden &#8220;schwarze Löcher&#8221; getauft und heute<br />
     erklärt der Sprecher auf der Kinder-CD lustig alle &#8220;Fakten&#8221;<br />
     über schwarze Löcher.</p>
<p>     Das Beste dabei:<br />
     Der &#8220;Beweis&#8221; (ja, so wird es auf der CD tatsächlich<br />
     genannt!) für schwarze Löcher ist &#8230; trommelwirbel&#8230; die<br />
     Tatsache, dass die bekannten Formeln eines Tages nicht mehr<br />
     funktioniert haben, aber weil sie ja richtig sind (???) MUSS<br />
     es also zwangsläufig schwarze Löcher geben.<br />
     Ich wiederhole: Das ist KEIN Witz.</p>
<p>     Die Herren und Damen Wissenschaftler könnten auch sagen,<br />
     dass an dieser und jener Stelle im Weltraum ein unsichtbarer<br />
     Riese sitzen muss, der die Sterne in eine solche und solche<br />
     Richtung anpustet.</p>
<p>     Das wäre wissenschaftlich genauso erwiesen wie die Theorie<br />
     der schwarzen Löcher.<br />
     Aber unter uns: &#8220;Unsichtbarer Riese&#8221; hört sich einfach nicht<br />
     so wissenschaftlich an.</p>
<p>     Und wenn man die Verdienstmöglichkeiten als Physiker mit<br />
     denen eines professionellen Märchenerzählers vergleicht &#8211; ja<br />
     dann entscheidet man sich eben für den Physiker als<br />
     Berufsziel, will ich meinen.</p>
<p>     Später kam mir der Verdacht, dass nicht nur Physiker so<br />
     arbeiten &#8211; sondern alle Wissenschaftler.<br />
     Seit jeher.</p>
<p>     Und weil wir ja alle brav sind und glauben, was uns erzählt<br />
     wird, haben wir diese Denkweise gleich mit übernommen im<br />
     Laufe der letzten 1000(?) Jahre.</p>
<p>     Mir scheint, von der Welt an sich haben wir allesamt keinen<br />
     Schimmer.<br />
     Wie ist sie &#8220;wirklich&#8221; und was ist die &#8220;Wirklichkeit&#8221;?</p>
<p>     Bekanntlich beschreibt ein Blinder den Elefanten ganz anders<br />
     als ein Tauber &#8211; und doch ist es der gleiche Elefant.</p>
<p>     Wie sehr sie es auch versucht &#8211; nie wird die Wissenschaft<br />
     die Wahrheit herausfinden.<br />
     Und unser Verstand wird nie die Wirklichkeit sehen.</p>
<p>     Dennoch: Forschung und Denken hat seine Berechtigung. Nur<br />
     sollte man stets im Auge behalten, was man hier tut und sich<br />
     entsprechend (un)ernst nehmen.</p>
<p>     Wenn Fabelwesen helfen, die Welt zu erklären &#8211; immer gerne!<br />
     Wer mir jetzt aber erzählen möchte, das Christkind gebe es<br />
     gar nicht, dafür aber sehr wohl schwarze Löcher &#8211; mmmh, wer<br />
     nur an eines glaubt, ist unlogisch.<br />
     Wer an keines von beiden glaubt ist vielleicht haltlos, ich<br />
     weiss es nicht. Oder gottlos.<br />
     Das könnte auch das gleiche sein, wer weiss.<br />
     Wer an beide glaubt und doch weiss, dass es sie gibt und<br />
     doch nicht gibt &#8211; dem steht ein magisches Jahr 2011 bevor.</p>
<p>     In meiner Welt kann man sich übrigens aussuchen, was man<br />
     glauben möchte.</p>
<p>     Apropos: Zum Jahreswechsel 2010-2011 habe ich ein<br />
     gigantomanisches Feuerwerk gekauft und lasse es richtig<br />
     krachen.<br />
     Das vertreibt die bösen Geister, erschreckt Tiere, kostet<br />
     ein Vermögen und macht eine Riesengaudi.<br />
     Ich interpretiere das so, dass ich mit einem grossen<br />
     Auftritt ein grosses Jahr 2011 einleite.<br />
     Andere finden, dass ich mit dem grossen Knall ganz klar<br />
     beweise, dass ich einen grossen Knall habe.</p>
<p>     Also dann &#8211; komm gut rüber, wir sehen uns dann dort.</p>
<p>     thomas</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://lebenswert.de/wissenschaft-fabelwesen-und-der-grosse-knall/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5622</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

